Griechisch

Wie wir wurden, was wir sind – wie wir überlegen, wie es weitergeht
Das AAG gehört zu den knapp 50 Gymnasien in Bayern, die die Chance bieten, Griechisch, genauer gesagt Altgriechisch, zu lernen. Doch was bewegt eigentlich 3000 bayerische Schülerinnen und Schüler, sich außer dem Lateinischen noch eine weitere „tote“ Sprache anzueignen?
In den Jahrhunderten zwischen etwa 800 und 300 v. Chr. wurden im alten Griechenland zahlreiche Grundlagen unserer modernen Welt gelegt. Zum ersten Mal entstanden mit der Ilias und der Odyssee Erzählungen, die nicht nur verschiedene Handlungsstränge miteinander verquicken, sondern auch menschliche Charaktere mit ihren Licht- und Schattenseiten anschaulich vor Augen führen. Literatur in dieser Qualität und diesem Umfang hatte es nirgends zuvor im Alten Orient gegeben. Mit der Erfindung der Tragödie und der Komödie wurden nicht nur die Grundlagen für die spätere Massenunterhaltung – von der Barockoper bis zum Serienstreaming – gelegt, sondern erstmals wurde auch ein Forum geschaffen, in dem gesellschaftliche Probleme im wahrsten Sinne des Wortes durchgespielt werden konnten, um beim Publikum Diskussionen über die beste Regierungsform oder ethisch korrektes Verhalten anzuregen.
In einem zähen Kampf entstand in Athen die erste Demokratie, die, trotz all ihrer Mängel, so basisdemokratisch war, wie es heute kaum mehr irgendwo zu beobachten ist. Herodot und Thukydides, die Begründer der Geschichtsschreibung, schrieben nicht nur nieder, was geschah, sondern dachten auch darüber nach, wie man überhaupt zu gesicherter Erkenntnis gelangen kann und welche Kräfte hinter den Einzelereignissen wirksam sein könnten. Philosophen begannen erstmals im Lauf der Weltgeschichte, Naturphänomene nicht mehr als göttergegeben hinzunehmen, sondern kritisch zu hinterfragen, und legten so den Grundstein für die modernen Naturwissenschaften. Doch blieben sie dabei nicht stehen: Mit dem Wegfall des alten Götterglaubens war es nötig geworden, neu über das Verhalten des Menschen nachzudenken – die philosophische Ethik war geboren.
Von Anfang an stehen im Zentrum des Griechischunterrichts antike Texte, zunächst in vereinfachter Form, ab dem dritten Lernjahr im Original, die derartige Themen mit bleibender Relevanz aufgreifen. Oft ist es erst die gründliche Auseinandersetzung mit den verschiedenen Übersetzungsmöglichkeiten, die den Blick auf die Bedeutung der Texte freilegt und zu spannenden Diskussionen Anlass gibt, während vorgefertigte Übersetzungen immer nur eine Interpretation zulassen.
Auch die Beschäftigung mit der antiken Kultur erfolgt nicht wie mit verstaubten Ausstellungsstücken in einem Museum: In Diskussionen greifen wir die Fragen der Antike auf und vergleichen sie mit modernen Lösungsansätzen, in kreativen Auseinandersetzungen beschäftigen wir uns mit der Frage, was uns antike Mythen heute sagen können. Der Besuch moderner Inszenierungen antiker Dramen und Exkursionen zu Antikenmuseen gehören regelmäßig zum Griechischunterricht, und der Schüleraustausch mit unserer Partnerschule in Athen bietet uns nicht nur einen Einblick in die Überreste des antiken Griechenlands, sondern auch in das heutige Leben in dieser Großstadt.

Austausch mit Griechenland – ein Erlebnis der Sonderklasse

Harmonie pur, von Spannung keine Spur – deutsche Schüler und ihre griechischen Freunde

„ϒειά σας“ (gesprochen: jásas) – schallte es uns herzlich am Flughafen von Thessaloniki entgegen. Die 22 griechischen Gastfamilien empfingen die deutschen 10.- und 11.-Klässler in der Woche vor den Osterferien, wie man es sich nur wünschen konnte: mit offenen Armen und einer Gastfreundlichkeit, die ihresgleichen sucht.

Foto: F. Forster

Dass Griechenland als ehemalige Hochkultur außerdem so einiges an geschichtsträchtigen Stätten zu bieten hat, muss natürlich nicht eigens betont werden. Trotzdem: Man hat als Altgriechisch-Schüler schon von all den berühmten Ausgrabungen gehört, doch wenn man dann leibhaftig in Pella über die Agora, den antiken Marktplatz der makedonischen Hauptstadt zur Zeit Alexanders des Großen, spaziert, bekommt man doch ein wenig Gänsehaut und spürt den Geist vergangener Geschichte. Auch das bombastische Hügelgrab von Philipp II. (dem Vater Alexanders des Großen), das einer unterirdischen Kleinstadt gleicht, hat uns mit seinen enormen Ausmaßen unglaublich beeindruckt.

Die besondere Landschaft im Norden Griechenlands durften wir ebenfalls hautnah erleben: Wir statteten den Göttern auf dem Olymp einen kleinen Besuch ab. Leider sind wir ihnen nicht persönlich begegnet – das mag wohl an dem dichten Nebel gelegen haben, der uns auch die Aussicht verwehrte. Eine kleine Schülergruppe von Gipfelstürmern ließ sich trotzdem nicht davon abhalten, den Olymp so weit wie möglich zu besteigen – bis der Schnee uns einen Strich durch die Rechnung machte und wir umkehren mussten.

Unser Abschlussfest mit traditionellem Volkstanz und modernem Discofox war dann die absolute Krönung: Schüler wie Lehrer schwangen das Tanzbein und verliehen ihrer Freude über diese unvergessliche Woche noch einmal auf ganz besondere Weise Ausdruck.

Fotos: F. Forster