Hat der Mensch bald Schwein gehabt?

Die Sensationsnachricht in den ersten Tagen des Jahres wurde weltweit beachtet: Ein Transplantationsteam in den USA hat nach eigenen Angaben erstmals ein genetisch modifiziertes Schweineherz einem menschlichen Patienten transplantiert. Das Organ sei einem 57-jährigen Mann mit einer lebensgefährlichen Herzkrankheit am 07. Januar 2022 in einer Klinik in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland eingesetzt worden, teilte das Krankenhaus mit. An der “Revolution in der Medizin” (SZ-Artikel vom 12.01.2022) war durch seine Grundlagenforschung wesentlich ein ehemaliger Schüler des Albrecht-Altdorfer-Gymnasiums beteiligt:

Prof. Dr. Eckhard Wolf

  • 1982 Abitur am AAG Regensburg
  • Studium der Tiermedizin an der LMU München mit anschließender Promotion
  • 1994 Habilitation für Tierzucht und Genetik an der Veterinärmedizinischen Universität Wien
  • Seit 1995 Professor für Molekulare Tierzucht und Biotechnologie an der LMU München
  • Prof. Dr. Eckhard Wolf zählt international zu den prominentesten Gentechnikern. Zwei Jahre nach dem ersten geklonten Säugetier, dem britischen Schaf Dolly (*05.07.1996) wird in Bayern als zweites Klontier ein Kalb geboren: Uschi verdankt ihr Dasein dem wissenschaftlichen Geschick von Prof. Eckhard Wolf und Valeri Zakhartchenko, die sie aus der Euter-Zelle einer erwachsenen Kuh klonten und dann von einer anderen Kuh austragen ließen.

Bei einer Exkursion zum Versuchsbauernhof der LMU München besichtigten Lehrer*innen und Schülerinnen des Abiturjahrgangs im Herbst 2005 die wissenschaftlichen Labors und die Stallungen, in denen z.B. transgene Schweine gezüchtet werden. Sollten die Versuche im Vorfeld der Xeno-transplantation ihr eigentliches Ziel erreichen, dann wird der Mensch "Schwein haben". Die Verwendung von Schweineorganen als Transplantate für den Menschen schien damals noch in weiter Ferne.

Thomas Köppl