Sally Perel am AAG – mit einem Zeitzeugen aus der Geschichte lernen

Bild: S. Seeleitner

Geschichte ist nicht etwas, was in Büchern steht, um dort für die Ewigkeit konserviert zu werden. Geschichte ist identitätsbildend, und: Geschichte ist dazu da, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und dafür zu sorgen, dass sich diese Fehler niemals wiederholen!

Was wir als Geschichtslehrer den Schülern nur in kritischer Auseinandersetzung mit historischen Quellen vermitteln können, hat Sally Perel den Schülern heute auf beeindruckende Weise vorgelebt.

Wie geht man als Betroffener um mit einer Biographie, die einem das Unmögliche abverlangt, nämlich als Jude in einer Schule der Hitlerjugend zu (über-)leben?

Mit fester, ruhiger Stimme und einer unglaublichen Mischung aus Betroffenheit und Humor schildert Perel aus seinem Leben. Er stellt die innere Zerrissenheit dar, die ihn seit seiner Jugend begleitet, in der er als Jude in ständiger Todesangst vor seiner Entdeckung leben musste, und der Indoktrination, die er als Hitlerjunge erfahren hat, und die von solch einer Suggestionskraft war, dass ein Teil von ihm tatsächlich zu einem überzeugten Nazi wurde. Eindringlich warnt er vor der Verführbarkeit gerade junger Menschen und betont die Bedeutung von Aufklärung, Wissen und kritischer Distanz.

Und wie können die Jugendlichen von heute mit dem schweren Erbe ihrer eigenen Geschichte umgehen? Es gibt keine Erbschuld, ist Perel überzeugt. Die deutsche Jugend von heute trage keine Schuld an den unfassbaren Untaten ihrer Vorfahren, aber: Sie habe eine besondere Verpflichtung sich ihrem Erbe zu stellen und dafür Sorge zu tragen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt und dass die Wahrheit niemals in Vergessenheit gerate. „Ihr seid nun Zeitzeugen“, redet Perel den Schülern ins Gewissen, und er appelliert an ihre moralische Verpflichtung, die Wahrheit, die sie aus seinem Munde vernommen hätten, in die nächste Generation weiterzutragen. Auch neonazistischen Strömungen und Parteien müsse man mit der Wahrheit begegnen und sich dafür einsetzen, dass Holocaustleugner ihre Sicht auf die Geschichte nicht ungehindert ausbreiten könnten. „Wir sind es den 1,5 Millionen Kindern schuldig, die in den deutschen Vernichtungslagern ums Leben gekommen sind!“.

Danke, Sally Perel, für zwei intensive Stunden am AAG, die unsere Herzen bewegt haben! Shalom!

Autorin: S. Seeleitner