Alois Prinz liest am AAG

Der Umgang mit der eigenen Geschichte ist schwierig, zumal, wenn die Ereignisse, um die es geht, „erst“ knapp 40 Jahre zurück liegen.

Alois Prinz schreibt Biographien für Jugendliche und Erwachsene und hat viele bekannte Personen wie Jesus von Nazareth, Dietrich Bonhoeffer, Hannah Ahrendt, Hermann Hesse oder Franz Kafka portraitiert.

Die Deutschlehrer der Q11 haben sich dafür entschieden, dass Alois Prinz aus der Biographie über Ulrike Meinhof mit dem Titel „Lieber wütend als traurig“ lesen sollte. Wie Prinz selbst sagt, ist es einfacher eine Biographie über eine Person zu schreiben, die als Vorbild gilt, doch das Bild einer umstrittenen Figur zu zeichnen, ist schwierig. „Es gibt nur schwarz oder weiß“, erzählt Prinz, „für die einen ist und bleibt Ulrike Meinhof ‚ein Engel‘, eine ‚Ikone‘, von anderen wurde und wird sie verteufelt“.

Prinz beschreibt seine Reise, um der Frage nachzugehen, „wie aus einem mehr oder weniger normalen Mädchen später eine gesuchte Terroristin werden konnte, die Banken überfiel und es vertretbar fand, ‚Bullenschweine’ abzuknallen“. Eine Reise, auf die er seine Leser und die Schüler des AAGs mitnimmt, mit ihnen eintaucht, in seine Fragen und in eine Welt, die oft nur schwer zu verstehen ist. So wird es auch weniger eine klassische Lesung, sondern viel mehr ein interaktives und multimediales Erlebnis, durch das die Schüler entscheidende Lebensstationen von Ulrike Meinhof kennen lernen. Mithilfe von Filmausschnitten bekommen die Schüler einen Eindruck von der Zeit der APO und der Studentenunruhen, die Schülerin Eva Heiligensetzer liest Texte von Ulrike Meinhof, die ihre Entwicklung verdeutlichen, und Alois Prinz stellt Zusammenhänge her und gibt persönliche Einschätzungen zu den Ereignissen. Mit Alois Prinz bekommen die Schüler einen Autor zum Anfassen, der sein persönliches Ringen mit der Materie darstellt, der von seinen Begegnungen im Rahmen der Recherchen erzählt und von Anfeindungen oder Bedrohungen nach der Veröffentlichung des Buches spricht. Doch auch komische Elemente kommen nicht zu kurz, etwa, wenn Herr Prinz richtige Schülerantworten mit Keksen prämiert oder am Ende der Lesung das für ihn gedachte Croissant verschenkt.

Am Ende steht die Erkenntnis, dass die politischen Ereignisse der ausgehenden 60er und 70er Jahre noch lange nicht aufgearbeitet und vor allem nicht verwunden sind, dass die Ermittlungspannen im Rahmen des Selbstmordes von Ulrike Meinhof nach wie vor Raum für Mythenbildung bieten, und sowohl die Geschehnisse als auch deren Historisierung nach wie vor polarisieren.

 

Vielen Dank, Alois Prinz, für ein unvergessliches Erlebnis!

Stefanie Seeleitner