Atempause – Volkenroda 2018

Gleich nach dem Ende der Sommerferien standen für die neue Q12, wie es seit mittlerweile zwölf Jahren Tradition ist, die Tage der Orientierung in Volkenroda auf dem Programm. Bei schönstem Sommerwetter machten wir uns gleich am ersten Schultag auf, um mit der Bahn in das ehemalige Kloster im Norden Thüringens zu gelangen. Nach einigen Stunden Fahrt und Umstiegen in Hof und Gera oder in Nürnberg und Erfurt, je nach Fahrtgruppe, kamen wir in Mülhausen an, von wo aus es mit dem Linienbus weiter nach Volkenroda ging.

Bilder: T. Köppl

Anschließend hieß es für uns Betten beziehen im Langen Gang oder im Heuhotel oder für die ganz harte Zeltfraktion Aufbauen des mitgebrachten Zeltes. Danach gab es Abendessen, eine einfache Brotzeit, aber mehr braucht es auch nicht, besonders wenn es gilt, sich auf das Wesentliche zu besinnen, was ja auch Sinn und Zweck der Orientierungstage ist und wir in den folgenden Tagen praktizieren sollten. Am Abend ging es für uns alle noch zum gemeinsamen Abend-Impuls in den Christus-Pavillon, bei dem uns die Begleiter des Bischöflichen Jugendamtes vorgestellt wurden und wir Anregungen erhalten haben, nachzudenken, welchen Weg wir nach dem letzten Schuljahr einschlagen möchten und was die Zukunft uns bringen soll.
Die angestoßenen Gedanken und Anregungen konnten wir am nächsten Tag auf der über 20 km langen Pilgerwanderung intensivieren, während wir allein, zusammen mit Mitschülerinnen und Mitschüler oder mit Lehrern nach den über den ganzen Weg verteilten Stationen mit Impulsen und Perlen zum Einsammeln Ausschau hielten. Es ging durch mit Obstbäumen gesäumte Feldwege über Waldwege bis zu den Straßen zwischen den Thüringer Dörfern, gegen Ende wurde es sogar zur Abenteuertour durch Dickicht und durch Waldgräben. Eine allemal interessante Erfahrung mit viel Zeit zum Nachdenken und bei sich sein, auch wenn man durch einmal falsches Abbiegen vierzig Minuten extra Wanderzeit auf sich nehmen konnte (und musste). Zum Abendessen gab es dann leckeren Nudelauflauf mit Pfannkuchen und die letzten Pilger, die erst zu diesem späten Zeitpunkt wieder in Volkenroda ankamen, wurden von uns mit Beifall in Empfang genommen. Am Abend ging es für uns zu einem weiteren Impuls im Christus-Pavillon. Am Boden lagen große Blätter mit Stiften und verschiedenen unvollendeten Satzanfängen, wie „Mein Vorbild ist…“ oder „Der heutige Tag war für mich…“. Wir waren eingeladen, unsere Gedanken und Anregungen daneben zu schreiben und die anonym gehaltenen Gedanken unserer Mitschülerinnen und Mitschüler durchzulesen, die schon etwas dazu geschrieben hatten.
Am Donnerstag standen für uns verschiedene und völlig unterschiedliche Workshops auf dem Programm, die wir am Vorabend selbst wählen durften. Viele entschieden sich für einen „Wüstentag“ unter Leitung von Herrn Schramm und Herrn Köppl, bei dem es darum ging, sich auf einen Tag Schweigen einzulassen. Keine Bücher durften gelesen werden, kein Rumsitzen im Zimmer und schon gar kein Handy war erlaubt, sondern ein ganzer Tag mit, für und bei sich selbst. Auch beim Mittagessen saßen wir in einem abgetrennten Bereich, es wurde nicht gesprochen. Es war eine Zeit zum Nachdenken, zum Innehalten, bevor der Stress der zwölften Jahrgangsstufe losgeht, eine Zeit ganz für sich allein und seine Gedanken und es war eine Zeit, um durch die Natur zu wandern und sich mit allen Sinnen ihren Einflüssen hinzugeben, ohne Ablenkung, wie es sonst immer der Fall ist. Auf diese Weise konnten wir völlig neue Einflüsse aufnehmen, die wir sonst niemals bemerkt hätten. Andere entschieden sich für einen „Chillout“-Tag, wobei der Name wahrlich Programm war und wieder andere entschieden sich für einen „Activity-Tag“ mit Gemeinschaftsübungen zum Ausbau des Vertrauens untereinander und auch zum Spaß haben. Wieder andere entschieden sich für eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich unter dem Titel „Unknown Identity“. Manchen hat der Tag zwar nur wenig weitergeholfen, für viele war es aber eine schöne und interessante Erfahrung und für andere war es wiederum ein bedeutender Tag, an dem sie neue Erkenntnisse gewinnen konnten. Zum Abschlussimpuls trafen wir uns dann am Abend in der ehemaligen Klosterkirche, wo ein „Chill out“-Plakat aufgestellt worden war. Unser Begleiter vom Bischöflichen Jugendamt spielte uns das Lied „Sowieso“ von Mark Forster vor und erklärte uns, warum er ein großer Fan dieses Liedes ist und dass wir uns die Botschaft zu Herzen nehmen sollten (auch wenn’s grad nicht so läuft - wie gewohnt – egal - es wird gut…). Anschließend konnten wir den Brief an uns selbst abgeben, den wir vorher noch geschrieben hatten und den uns das Volkenroda-Team in einem Jahr per Post schicken wird. Daraufhin bekamen wir von Lehrern und Begleitern Wünsche auf den Weg und durften uns gegenseitig mit Öl salben, während die Kirche mit Musik erfüllt wurde, wodurch eine schöne, fast spirituelle Atmosphäre geschaffen wurde. Außerdem erhielt jeder eine goldene Perle für sein Perlenarmband als Zeichen, dass jeder wertvoll ist und Anerkennung verdient hat. Nach dem Ende des Impulses blieben einige noch weiter in der Kirche, um zusammen zu singen und die Atmosphäre zu genießen.
Es war der Anfang vom Ende der Fahrt, aber wir alle waren um einige tolle Erfahrungen reicher geworden und fuhren wieder nach Hause, in dem Wissen, dass Schule und Noten nicht alles im Leben sind und wir in gutem Glauben unseren Weg voranschreiten können. Außerdem haben wir den Einstieg in die Schule nach sechs Wochen Ferien viel besser meistern können als die letzten Jahre, wo wir vom ersten Tag an wieder die Schulbank drücken mussten. Auch in dieser Hinsicht haben wir Gutes aus Volkenroda mitnehmen können.

Markus Soller, Q12